Barmer Theologische Erklaerung



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 Karl Barths theologische Existenz als Provokation

10. April 2004, Neue Zürcher Zeitung


Kein Nein ohne Ja
Karl Barths theologische Existenz als Provokation

Als Karl Barth 1935 Deutschland verliess und in die Schweiz zurückkehrte, hatte er gezeigt, was es heisst, sich in einer Diktatur theologisch zu behaupten. Über das Verhältnis von Theologie und Politik geben seine Schriften (nicht nur) jener Zeit ebenso Auskunft wie über das Verhältnis von Nein-Sagen und Ja-Sagen. ...




Als Karl Barth 1935 Deutschland verliess und in die Schweiz zurückkehrte, hatte er gezeigt, was es heisst, sich in einer Diktatur theologisch zu behaupten. Über das Verhältnis von Theologie und Politik geben seine Schriften (nicht nur) jener Zeit ebenso Auskunft wie über das Verhältnis von Nein-Sagen und Ja-Sagen.

Provozierend war dieser Theologe von Anfang an. Und provozierend ist er geblieben: nicht nur bis zum Ende seines irdischen Lebens, sondern auch über seinen Tod hinaus. Provozierend war und ist Karl Barth deshalb und nur deshalb, weil er sich selber hat provozieren lassen. Wovon? Von nichts anderem als von dem in den biblischen Texten bezeugten Wort Gottes. «Hätten wir uns doch früher zur Bibel bekehrt», heisst es in einem Brief an den Freund Eduard Thurneysen. Wer sich von der Bibel provozieren lässt, der entdeckt dann allerdings auch einen «organischen Zusammenhang» zwischen «der Zeitung und dem Neuen Testament». Denn Gottes Wort sind die biblischen Texte nur deshalb und nur insofern, als sie Menschen in ihrer Gegenwart anreden und diese Gegenwart neu qualifizieren.

Sich herausfordern lassen durch Gottes Wort und eben deshalb auch von der Tagespolitik - das kennzeichnet rechte theologische Existenz. Der Begriff «theologische Existenz» ist meines Wissens von Karl Barth selber geprägt worden. Und er hat ihn eindeutig definiert durch den Bezug auf das Wort Gottes: «. . . theologische Existenz, d. h. . . . Bindung an das Wort Gottes». Und so war und ist denn auch die Theologie Karl Barths deshalb provozierend, weil sie sich vom Wort Gottes und eben deshalb auch von den aktuellen Tagesproblemen hat provozieren lassen.

SENKRECHT VON OBEN
Als Karl Barth 1921 nach Göttingen berufen wurde, liefen ihm Sätze voraus, die in der damaligen theologischen Welt wie Fanfarenstösse wahrgenommen wurden - von den einen bei aller damit verbundenen Unruhe freudig begrüsst, von den anderen (und vor allem von den Meistern der Zunft) gerade wegen der durch sie ausgelösten Unruhe irritiert, verärgert oder gar entsetzt wahrgenommen. «Welt ist Welt. Aber Gott ist Gott.» Oder, Kohelet zitierend: «Gott ist im Himmel, und Du bist auf Erden» (Pred. 5, 1). Oder: «Was der Christus bringt, ist . . . die Revolution, die Auflösung aller Abhängigkeiten.» Oder: «Es gibt unter dem letzten Gesichtspunkt, den wir im Christus einnehmen müssen, keine Ethik.» Oder: «Die Zeit der Kirche ist abgelaufen.» Oder: «Religion» ist ein «unglückliches Wort». Oder: Gott «ist selbst nicht fertig».

Mit dergleichen steilen Sätzen hatte Barth Aufmerksamkeit erregt. Selbst «Jesus als der Christus» galt dem bereits an der zweiten Auflage seines Römerbrief-Buches arbeitenden Theologen nur als «die uns unbekannte Ebene, die die uns bekannte senkrecht von oben durchschneidet». Das erinnerte an Marcions Evangelium vom fremden Gott. Nicht nur Harnack im grossbürgerlichen Berlin hat es bemerkt. Man erwartete auch im gutbürgerlichen Göttingen einen alles andere als bürgerlichen Theologen: einen Denker, der mit Kierkegaard dem «unendlichen qualitativen Unterschied von Zeit und Ewigkeit» Geltung zu verschaffen sich anschickte und deshalb Theologie nur in Gestalt «indirekter Mitteilung» vollziehen zu können meinte, auch darin in der Schule Kierkegaards sich bewegend - sehr viel mehr jedenfalls als in der Schule der Kritik der reinen Vernunft Immanuel Kants, der auch sehr viel stärker durch die Kritik der praktischen Vernunft auf Barth gewirkt hat.

Doch wie auch immer, Barth forderte nicht nur einen theologischen Aufbruch, sondern einen Ausbruch aus vertrauten theologischen Mustern - bis in den modus loquendi theologicus hinein. Aufbrechen, ausbrechen - das hat Barth dann ja auch reichlich getan. Zunächst jedenfalls. Den steilen Sätzen folgten weitere - steile Sätze. Doch steile Sätze verstellen leicht die Aufmerksamkeit für das, was eigentlich von Bedeutung ist. Nicht die eigene provozierende Sprache war von Bedeutung, sondern dies, wie Barth rückblickend festhält: «das grosse Wort ‹Gott› wieder ernst, verantwortlich und gewichtig in den Mund zu nehmen». Und über das Wort «Gott» gibt angemessene Auskunft: Gottes Wort. Mit Blaise Pascal zu reden: «Dieu parle bien de Dieu.»

Dass sie sich nicht vom Worte Gottes provozieren lasse - das war der Vorwurf, den der weder habilitierte noch promovierte Göttinger Professor der damals «am Ruder befindlichen Theologie» machte. Dazu musste man allerdings einigermassen verwegen sein. Doch dass «anders als durch Verwegenheit . . . Theologie nicht mehr zu begründen sei» - diese (einem von ihm genial missverstandenen Satz von Franz Overbeck folgende) Einsicht unterschied Barth von der damals herrschenden Theologie.

Sein Lehrer Adolf von Harnack hat die Situation scharf erfasst, als er im Blick auf Barth - und dann gleich auch noch im Blick auf Paulus und Luther - diagnostizierte: Diese Theologen seien ihm «in erster Linie nicht Subjekte, sondern Objekte der wissenschaftlichen Theologie». Harnack begründete seine Diagnose mit der These, dass Barths theologische Existenz «wissenschaftliche Theologie und Zeugenschaft» methodisch nicht «getrennt zu halten» vermag, berufe sich Barths Theologie doch auf so etwas wie Offenbarung. Und «Offenbarung ist» nun einmal nach Harnack «kein wissenschaftlicher Begriff». Wer sich auf Offenbarungen beruft, der bringt das Christentum nicht als Wissenschafter, sondern als Zeuge «zum Ausdruck», und zwar auch dann, wenn er dies «in biblischen Kommentaren oder in Dogmatiken» tut. Harnack weissagte Barth denn auch, dass er «nach allen Erfahrungen der Kirchengeschichte eine Sekte gründen und Inspirationen empfangen werde».

EXEGESE ODER HULDIGUNG
Harnacks Diagnose geht davon aus, dass die wissenschaftliche Exegese biblischer Texte sich den Wahrheitsanspruch dieser Texte nicht zu eigen machen darf. Die wissenschaftliche Auslegung eines Textes muss dessen Wahrheitsanspruch vielmehr methodisch sistieren. Unter dieser Voraussetzung trifft Franz Overbecks bissige Bemerkung zu, dass es «das grösste Unglück» sei, «das einem Text passieren kann, ausgelegt zu werden, und je eifriger man sich seiner in diesem Sinne annimmt, umso grösser ist das Unglück . . . Mit Exegese kann man sich nur von einem Text befreien, nicht ihm huldigen.» So Overbeck, der in seiner Radikalität auf den Begriff brachte, was die ganze Zunft faktisch tat, wenn sie «wissenschaftliche» Exegese betrieb.

Gegen diese Auffassung von Exegese und von wissenschaftlicher Theologie richtete sich der Protest Barths, der nun seinerseits in Göttingen die biblischen Texte auszulegen und wissenschaftliche Theologie zu treiben hatte. Barths Protest lebte von der Gewissheit, dass Theologie sich vom Wahrheitsanspruch der biblischen Texte dazu provozieren lassen müsse, im Akt der Auslegung sich der Urteilskraft eben dieser Texte auszusetzen, mehr noch: mit allen gegenwärtigen Erfahrungen in diese Texte einzukehren und von ihnen die eigene Urteilskraft leiten zu lassen.

Insofern erwartete Barth von der Theologie dasselbe, was Martin Luther von jeder rechten Theologie gefordert hatte, nämlich «ynn die Biblien zulauffen und alda gericht und urteil . . . zu holen». Wer «ynn die Biblien» läuft, der ist, wenn es gut geht, am Ende seines Laufes in den Texten der Heiligen Schrift. Er kehrt in sie ein und bewegt sich in ihnen wie in einem zwar fremden und mit immer neuen Überraschungen aufwartenden, aber doch so etwas wie Heimat gewährenden Haus. In diesem Sinne formulierte Karl Barth lapidar: «Wir sind drinnen und nicht draussen.» - Diese Gewissheit darf nun allerdings nicht dahin missverstanden werden, als ob der Theologe ein beatus possidens sei, den nichts in Verlegenheit zu bringen vermöchte. So hat man Barth zwar gern karikiert. Doch grotesker konnte man ihn und kann man ihn nicht missverstehen. Denn wer sich von dem, was er in den biblischen Texten vernimmt, bestimmen lässt, der wird in elementarer Weise beunruhigt. Wer dort zum glücklichen Finder geworden ist, der wird nun erst recht zum Suchenden. «Wir würden nicht suchen, wenn wir nicht schon gefunden hätten.»

Der Fund, den man in den biblischen Texten machen kann, wird von Barth mit einem einzigen Wort zur Sprache gebracht. Und dieses Wort heisst: Ja. Auch das gehört zur eisernen Ration der Theologie Karl Barths, «dass wir vom Ja und nicht vom Nein her kommen». Doch diese unsere Herkunft «von einem vorausgesetzten anfänglichen Ja» macht alles andere als selbstsicher. Es ist vielmehr «die Realität des Ja», die uns «so stark beunruhigt», dass nun das kritische Fragen überhaupt erst richtig in Gang gesetzt wird, und zwar so, dass auch das scharfe Verneinen nunmehr unerlässlich wird. «Wir würden nicht verneinen, wenn uns nicht die Realität des Ja so stark beunruhigte.»

Ja - das ist das die Theologie Karl Barths bestimmende Grundwort. In den Göttinger Anfängen konnte man es neben den scharfen Verneinungen, in denen die damalige dialektische Theologie sich gefiel, leicht überhören. Aber es war da. Und es wurde immer deutlicher vernehmbar. Und es wurde immer klarer als dasjenige Ja identifiziert, das Gott in der Person Jesu Christi ein für allemal und unwiderruflich gesprochen hat: «Denn Gottes Sohn Jesus Christus . . . in ihm wurde Gottes Ja Ereignis» (2. Kor. 1, 19).

Der alte Karl Barth hat, als er die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts kommentierte, zugleich seine eigene Theologie interpretiert. In Mozarts Musik nahm Barth das wahr, was für ihn als die siegreiche Überlegenheit des göttlichen Ja-Wortes über jedes Nein der Inbegriff des Evangeliums war: «Die Sonne scheint, aber sie blendet, verzehrt, verbrennt nicht. Der Himmel wölbt sich über der Erde, aber er lastet nicht auf ihr, er erdrückt und verschlingt sie nicht. Und so ist und bleibt die Erde die Erde, aber ohne sich in einem titanischen Aufruhr gegen den Himmel behaupten zu müssen. So machen sich auch die Finsternis, das Chaos, der Tod und die Hölle bemerkbar, sie dürfen aber keinen Augenblick überhand nehmen. Mozart musiziert, wissend um alles, aus einer geheimnisvollen Mitte heraus, und so kennt und wahrt er die Grenze nach rechts und nach links, nach oben und nach unten . . . Was sich in ihr ereignet, ist . . . eine herrliche Störung der Balance, eine Wendung, in deren Kraft das Licht steigt und der Schatten, ohne zu verschwinden, fällt, die Freude das Leid, ohne es auszulöschen, überholt, das Ja stärker als das immer noch vorhandene Nein zum Klingen kommt . . . Ist da nicht jedes noch so tief unten ansetzende Kyrie oder Miserere wie getragen von der Zuversicht, dass das angerufene Erbarmen längst Ereignis ist? Benedictus qui venit in nomine Domini! In Mozarts Version ist er offenbar schon gekommen. Dona nobis pacem! Das ist bei Mozart allem zum Trotz schon erfüllte Bitte.»

Doch das sind Äusserungen eines überaus besonnen und - wenn nicht alt, so doch - älter gewordenen Denkers, der in Basel (ab 1935) schon die Früchte seiner intensiven theologischen Arbeit zu ernten begann.

POLITIK UND THEOLOGIE
Als man in Deutschland begann, die Weimarer Republik «sturmreif» zu schiessen, stand Barth keineswegs auf der Seite derer, «die da mit schossen» (wie Klaus Scholder in seiner sonst so verdienstvollen Aufarbeitung der Geschichte des Kirchenkampfes behauptet hatte). Barth trat vielmehr 1932 in die deutsche Sozialdemokratische Partei ein - ein damals demonstrativer Akt! Er solidarisierte sich - zusammen mit seinem Bonner Kollegen Karl Ludwig Schmidt - mit dem von nationalsozialistischen Studenten als «pazifistisch-marxistische Pest» denunzierten Hallenser Theologen Günter Dehn und liess auch sonst immer wieder erkennen, dass rechte Gotteserkenntnis konkrete politische Implikationen hat.

Dabei war er allerdings - im Gegensatz zu seinem Göttinger Kollegen Emanuel Hirsch - von der Prämisse geleitet, dass es ein «Oberhalb und Jenseits der politischen Erregung» gebe, in dem die «theologische Leidenschaft» ihren Sitz im Leben habe und von dem her dann zwar auch eine «politische Leidenschaft» motiviert werde. Doch wenn es - wie bei Hirsch - dazu kommt, dass die theologische Leidenschaft mit der «politischen schlechterdings identisch» wird, dann wird das Verhältnis von Theologie und Politik pervers.

Dass Barth sich später selber vorgeworfen hat, sich damals nicht «schärfer und unnachgiebiger und aggressiver» politisch geäussert zu haben, darf man nicht als Widerruf seiner Auffassung interpretieren, dass die eigentlichen Entscheidungen im Bereich der Theologie fallen, dass es also auf die richtige Theologie, auf die schriftgemässe Verkündigung des Evangeliums ankomme. Dem widerspricht auch nicht, dass die Botschaft der Kirche - «rücksichtslos gegen alle von aussen kommenden . . . politischen Ansprüche und Massstäbe» - «per se politisch» ist. Keine Frage, dass die Verkündigung der Auferstehung eines von Staats wegen Hingerichteten «per se politisch» ist. Keine Frage, dass die Gewissheit, Christus sei des Gesetzes Ende, «per se politisch» ist. Und so wird man denn auch Barths vielzitierte Äusserung, dass es gerade jetzt - nämlich nach der Machtergreifung Hitlers - darauf ankomme, «nach wie vor und als wäre nichts geschehen - vielleicht in leise erhöhtem Ton, aber ohne direkte Bezugnahmen - Theologie und nur Theologie zu treiben», keineswegs als politische Abstinenz deuten können.

BEKENNENDE KIRCHE
Die zitierten Sätze stehen in Barths im Juni 1933 verfasster Kampfschrift «Theologische Existenz heute». Die Wirkung der Schrift war enorm. Bis zu ihrer Beschlagnahmung am 28. Juli 1934 wurde sie in 37 000 Exemplaren verbreitet. Ein Exemplar hatte Barth auch der Reichskanzlei zukommen lassen, so dass der Reichskanzler auf der letzten Seite dieser Kampfschrift lesen konnte, dass die Kirche «die naturgemässe Grenze jedes, auch des totalen Staates» sei. Das Regime wusste, warum es diese Schrift beschlagnahmte.

Die Schrift «Theologische Existenz heute» war so etwas wie ein «Trompetenstoss» der entstehenden «Bekennenden Kirche». Als Barth im Januar 1934 bei einer Versammlung in Berlin einem Memorandum zustimmen sollte, das der Tübinger Theologe Karl Fezer, ein Repräsentant der Deutschen Christen, zur Vorbereitung eines Empfangs der unterschiedlichen kirchlichen Lager durch Hitler entworfen hatte, löste er mit der Feststellung «Wir haben einen anderen Glauben, wir haben einen anderen Geist, wir haben einen anderen Gott» einen wilden Tumult aus. «Fezer erbleichte und war der Ohnmacht nahe . . . andere wollten das Lokal verlassen, wieder andere wollten Karl Barth rausschmeissen, wieder andere ihn zur Zurücknahme dieses Wortes veranlassen unter Beschwörung der christlichen Liebe.» So der Bericht Charlotte von Kirschbaums. Doch Barth liess sich von der in solchen Fällen nur zu gern apostrophierten christlichen Liebe nicht beeindrucken. Er beharrte darauf, dass die «deutsch-christliche Sache . . . falsch und faul» sei «bis auf den Grund. Es gibt ihr gegenüber nur ein Entweder-oder . . . Alles andere wäre Nicht-Liebe.»

BARMER ERKLÄRUNG
Zweifellos ein strenger Begriff von Liebe, der jeden theologischen Kompromiss ausschliesst. Das musste auch der Freund und bisherige theologische Kampfgefährte Emil Brunner erfahren, dessen Plädoyer für eine angeblich zurückzugewinnende natürliche Theologie Barth zu einer Streitschrift veranlasste, deren Titel aus einem einzigen Wort bestand: «Nein!». Doch - noch einmal - man hätte Barths theologische Grundhaltung, man hätte gerade auch das Provozierende seiner Theologie von Grund auf missverstanden, wenn man ein solches Nein als ein selbständiges Wort und wenn man alle damit verbundene Polemik als Selbstzweck auffassen würde. Dass das nicht und warum das nicht der Fall ist, das zeigt die Barmer theologische Erklärung von 1934, deren Text weitgehend von Karl Barth verfasst wurde.

In lapidarer Sprache heisst es da: «Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären . . . Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen . . . Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden . . .» Diese unmissverständlichen Verwerfungen - ich habe nur drei ausgewählt -, die auch ausserhalb der Kirche sofort verstanden wurden, sind nur die Kehrseite der in sechs Thesen formulierten Affirmationen, von denen die erste zugleich eine kleine Summa der ganzen Barth'schen Theologie ist: «Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.» Barth kommentiert das Verhältnis der Affirmationen zu dem in den Verwerfungen Ausgesprochenen selber folgendermassen: «Das Nein hat keine selbständige Bedeutung. Es hängt ganz an dem Ja. Es kann nur laut werden, indem das Ja laut wird.»




70 Jahre danach - Die Barmer Theologische Erklärung im Jahr 2004
Emanuel Hirsch (1888-1972)

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