Davidson Archive



  Geist 2017.12.18 02:12  
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 Donald Davidson – Rationale Lebewesen


Donald Davidson – Rationale Lebewesen


S. 117


- Kernkriterium für Rationalität: Propositionale Einstellungen haben (Bsp.: Überzeugung, Wunsch, Absicht, Scham)

- Wann aber hat ein Geschöpf propositionale Einstellungen?

- Wichtig: keine ganz und gar empirische Frage => denn: welche Evidenz ist für die Entscheidung relevant, wann ein Geschöpf  propositionale Einstellungen hat?


- Davidson fängt damit an, die Antwort auf eine Frage zu geben => die Antwort lautet: „ein rationales Lebewesen zu sein heißt ja, propositionale Einstellungen zu haben, wie wirr, widersprüchlich, absurd, ungerechtfertigt oder abwegig diese Einstellungen auch sein mögen


S. 118


- Die Frage lautet: Welche Lebewesen sind rational? Im Sinne von: Was macht ein Lebewesen (oder auch: irgend etwas anderes) rational?

- propositionale Einstellungen: interessantes Kriterium => treten nur in einem auf einander abgestimmten Ensemble auf => eine einzige Einstellung zu haben heißt, umfassende Ergänzungen dazu zu haben


=> denn: Eine einzige Überzeugung erfordert viele Überzeugungen, und Überzeugungen verlangen nach anderen grundlegenden Einstellungen wie Absichten, Wünschen und, wenn ich Recht habe, nach dem Geschenk der Sprache => Davidson möchte auf den INTRINSISCH HOLISTISCHEN CHARAKTER von propositionalen Einstellungen aufmerksam machen.


- ob man einige oder keine solcher Einstellungen hat ist dementsprechend ein ganz entscheidendes Kriterium für Rationalität => und diese Einstellungen, so Davidsons schon hier vorgetragene These, erfordern Sprache bzw. sind vom Besitz von Sprache abhängig


S. 119


- Davidson führt Malcolms Beispiel des Hundes, der am Baum, von dem er glaubt, dass auf ihm die vom Hund gejagte Katze sitzt, hinaufbellt.

- Malcolm behauptet, dass unter den gegebenen Umständen jemand, der dem Hund diese Überzeugung zuschriebe („er denkt/glaubt, die Katze sei diese Eiche hochgeklettert“), sehr wohl Recht haben könnte, ja fast sicher Recht hätte. Er hätte genau die Art von Evidenz, die erforderlich sei, um eine solche Zuschreibung zu rechtfertigen.


S. 119/120


- Davidson will Malcolms Behauptung in Zweifel ziehen => Wenn wir berechtigt sind, derart wie Malcolm es tut, auf Überzeugungen zu schließen, sind wir auch berechtigt, auf Absichten und Wünsche (und vielleicht auf noch viel mehr) zu schließen

- Zur angeblichen Überzeugung des Hundes: Zufällig ist der Baum auch der älteste in Sichtweite - dachte der Hund nun auch „Die Katze ist den ältesten Baum in Sichtweite hochgeklettert?“ Oder „... denselben Baum wie beim letzten Mal, als der Hund sie gejagt hat?“

- Davidson: Es fällt schwer, diesen Fragen einen Sinn zu geben. Dann scheint es aber NICHT MÖGLICH zu sein, zwischen ziemlich verschiedenen Dingen zu unterscheiden, von denen man sagen könnte, dass der Hund sie glaube.


- Wie schreiben wir normalerweise eine propositionale Einstellung zu?

=> eine Weise ist: Wir stellen fest, dass die Sätze, die wir für die Zuschreibung verwenden, von wahren zu falschen Sätzen werden können, wenn wir bei den Wörtern, die den Gegenstand der Einstellung herausgreifen, einen referierenden Ausdruck durch einen anderen ersetzen, der auf dasselbe Ding referiert  


Am Bsp. des Hundes?


„Der Hund glaubt, dass die Katze die Eiche hochgeklettert ist“


bspw. ersetzen wir bei den Wörtern, die den Gegenstand der Einstellung herausgreifen, den referierenden Ausdruck „Eiche“ durch einen anderen, der auf dasselbe Ding referiert!


„Der Hund glaubt, dass die Katze den ältesten Baum in Sichtweite hochgeklettert ist“


Sind das die gleichen propositionalen Einstellungen? => Davidson: NEIN


=> Wenn wir Wörter wie glauben, denken und beabsichtigen verwenden, dabei aber das Merkmal der semantischen Undurchsichtigkeit weglassen, stellt sich die Frage, ob wir diese Wörter verwenden, um propositionale Einstellungen zuzuschreiben. => denn: man hat schon vor langem erkannt, dass semantische Undurchsichtigkeit das Reden über propositionale Einstellungen vom Reden über andere Dinge unterscheidet.


Auch ein entgegnender Vorschlag ist für Davidson nicht überzeugend (siehe S. 120/121)


S. 121


Wir identifizieren Gedanken, unterscheiden zwischen ihnen und beschreiben sie als das, was sie sind, da sie nur in einem engmaschigen Netz von miteinander verbundenen Überzeugungen lokalisiert werden können.


=> Davidson: „Ganz gleichgültig, wo wir beginnen [...]“, wir werden „bald bei einer Art von Überzeugungen ankommen, von denen wir überhaupt nicht wissen, wie wir von ihnen sagen können, ob ein Hund sie hat, und die doch gleichzeitig solcherart sind, dass unsere erste zuversichtliche Zuschreibung ohne sie zweifelhaft erscheint“


S. 122


- Gedanken haben, genau wie Propositionen, logische Relationen => Da die Identität eines Gedankens nicht von seinem Platz in einem logischen Netz anderer Gedanken geschieden werden kann, lässt er sich in diesem Netz nicht anderswo hinsetzen, ohne dass er ein anderer Gedanke wird. Eine radikale Inkohärenz von Überzeugungen ist daher unmöglich. Eine einzige propositionale Einstellung zu haben heißt, eine weitgehend korrekte Logik, d.h. ein logisch kohärentes Muster von Überzeugungen zu haben.




S. 123  


- Der entscheidende Punkt ist, dass die Möglichkeit von Irrationalität zu einem hohen Grad von Rationalität abhängt. Irrationalität ist nicht einfach ein Mangel an Vernunft, sondern eine Krankheit oder eine Störung der Vernunft.


S. 124


- Aus dem, was über die Abhängigkeit der Überzeugungen von anderen Überzeugungen gesagt wurde, geht klar hervor, dass man ein sehr komplexes Verhaltensmuster beobachten muss, um die Zuschreibung eines einzigen Gedankens zu rechtfertigen. Oder genauer gesagt: Es muss gute Gründe geben, um zu glauben, dass es ein derart komplexes Verhaltensmuster gibt. => wenn ein solches Muster nicht vorliegt gibt es keinen Gedanken.


- Davidsons These: „Ich denke, dass es ein solches Muster nur gibt, wenn der Handelnde über Sprache verfügt. Stimmt dies, so ist Malcolm nur dann berechtigt, seinem Hund Denken zuzuschreiben, wenn er auf der Grundlage guter Evidenz glaubt, dass sein Hund über Sprache verfügt“


- Davidson versucht nun, seine Position (die, wie er sagt, im Wesentlichen gar nicht neu ist) der Ansicht, dass Denken Sprache erfordert, gegen andere abzugrenzen

      => Denken kann ihm zufolge NICHT auf sprachliche Tätigkeit reduziert werden

      => was wir nicht sagen können, können wir dennoch durchaus denken


=> Diese von Davidson vorgenommene Abgrenzung ist vor dem Hintergrund seiner Theorie des Geistes (Anomaler Monismus) zu sehen.


Davidson also: „Meine These lautet somit nicht, dass die Existenz jedes einzelnen Gedankens von der Existenz eines Satzes abhängt, der diesen Gedanken ausdrückt. Mein These lautet vielmehr, dass ein Geschöpf keinen Gedanken haben kann, wenn es nicht über Sprache verfügt.“


S. 125


Dann sagt Davidson jedoch auch: „Diese Erwägungen verweisen auf Sprache, aber sie kommen nicht einem Beweis gleich, dass Sprache notwendig für das Denken ist. Diese Erwägungen legen in der Tag nur nahe, dass es ohne Sprache wahrscheinlich nicht viel Denken geben kann“


Was gegen die Abhängigkeit des Denkens von Sprache spricht, ist dass wir das Verhalten von Lebewesen ohne Sprache erfolgreich erklären und manchmal voraussagen, indem WIR IHNEN ÜBERZEUGUNGEN, WÜNSCHE UND ABSICHTEN ZUSCHREIBEN.


Trotzdem, so Davidson, sollten wir folgenden Fall betrachten:


Beispiel mit der Infrarotrakete


Was spricht dagegen?




S. 126


1) Zahlreiche Lebewesen gleichen in der Spannweite ihres Verhaltens weit mehr den Menschen als Raketen

2) Wir haben oft keinen besseren Weg zur Erklärung ihres Verhaltens, als ihnen propositionale Einstellungen zukommen zu lassen.


Davidson: „Um ein schlagendes Argument zu haben, benötigen wir also eine Charakterisierung dessen, was uns durch Sprache zur Verfügung gestellt wird, das zum Denken notwendig ist. Denn wenn es eine solch notwendige Bedingung gibt, können wir weiterhin das Verhalten von sprachlosen Geschöpfen erklären, indem wir ihnen propositionale Einstellungen zuschreiben, und gleichzeitig erkennen, dass solche Geschöpfe nicht wirklich propositionale Einstellungen haben.“


Davidson will nun dies aufweisen – was also nötig ist, um von einem Lebewesen zu sagen, es denke, was aber nur durch Sprache zur Verfügung gestellt wird.


Argumentation umfasst zwei Schritte:


Um eine Überzeugung zu haben, ist es notwendig, den Begriff von Überzeugung zu haben
Um den Begriff von Überzeugung zu haben, muss man über Sprache verfügen.


S. 128


Zum Bsp. von D. Weiss: Davidson => Wenn der Superhund aus Weiss’ Beispiel überrascht ist, hat er reflektierende Gedanken und somit natürlich auch Überzeugungen.


was dies aber nicht sogleich heißt, ist: dass alles Denken selbstbewusst ist, oder dass wir immer dann, wenn wir denken, dass p, uns bewusst sein müssen, dass p, oder glauben, dass wir glauben, dass p, oder denken, dass wir denken, dass p.


Davidson: Um überhaupt eine propositionale Einstellung zu haben, ist es notwendig, den Begriff von einer Überzeugung zu haben.


Was ist aber notwendig, um den Begriff von einer Überzeugung zu haben => Davidson: hier ist das Phänomen der Überraschung bedeutsam => denn Überraschung erfordert den Begriff von einer Überzeugung


S. 129


Eine Überzeugung zu haben hat die Möglichkeit von Überraschung zur Folge: Ich glaube z. B., dass eine Münze in meiner Tasche ist, leere die Tasche und finde keine Münze vor. Ich bin überrascht, WEIL ich zuvor glaubte (propositionale Einstellung), dass eine Münze in meiner Tasche war!


Es kann, wenn ich glaube, dass eine Münze in meiner Tasche ist, etwas geschehen, das meine Meinung ändern würde


DAS ENTSCHEIDENDE ist für Davidson aber: „Es genügt nicht, dass ich zuerst glaube, in meiner Tasche sei eine Münze, und dann nach dem Leeren meiner Tasche diese Überzeugung nicht mehr habe. Überraschung erfordert, dass ich mir eines Gegensatzes zwischen dem, was ich glaubte, und dem, was ich jetzt glaube, bewusst bin. Ein solches Bewusstsein ist jedoch eine Überzeugung von einer Überzeugung“


Wenn ich überrascht bin, dann glaube ich nun unter anderem dass meine ursprüngliche Überzeugung falsch gewesen ist (vielleicht muss nicht jeder Fall von Überraschung die Überzeugung beinhalten, dass eine frühere Überzeugung falsch war)


Überraschungen beinhalten quasi Überzeugungen hinsichtlich der Korrektheit der eigenen Überzeugungen


Überraschung ist somit für Davidson EINE NOTWENDIGE UND HINREICHENDE BEDINGUNG FÜR DENKEN IM ALLGEMEINEN.



Zweiter Teil des Arguments:


Überzeugung: Zustand eines Organismus, der wahr oder falsch sein kann => ein Zustand eben, der einen Sachverhalt in der Welt richtig oder falsch vermeint (bzw. in einer anderen Überzeugungsmodalität intendiert)


Davidson: den Begriff von Überzeugung zu haben heißt demnach, den Begriff von objektiver Wahrheit zu haben


Bsp.: Wenn ich überrascht bin herauszufinden, dass in meiner Tasche keine Münze ist, gelange ich zu der Überzeugung, dass meine vorherige Überzeugung nicht mit dem Zustand meiner Finanzen (etwas, das einen objektiven Sachverhalt – quasi einen: es ist so und so - Sachverhalt – in der Welt darstellt) übereingestimmt hat. Ich habe die Idee von einer objektiven Realität, die von meiner Überzeugung unabhängig ist (denn meine Überzeugung kann diese Realität „verfehlen“)


S. 130


Davidson: Ein Geschöpf kann auf komplexe Weise mit der Welt interagieren, ohne irgendwelche Propositionen zu erwägen. Es kann zwischen Farben, Geschmäckern, Klängen und Formen unterscheiden. Es kann lernen, d. h. sein Verhalten ändern, und zwar derart, dass sein Leben erhalten oder seine Nahrungsaufnahme vermehrt wird. Es kann in dem Sinn „verallgemeinern“, dass es auf neue Reize reagiert wie es auch auf frühere Reize reagiert hat.
Entscheidend aber für Davidson: Wie erfolgreich dies auch angesichts seiner Maßstäbe sein mag: Nichts davon zeigt, dass das Geschöpf den Gegensatz beherrscht zwischen dem, was geglaubt wird, und dem, was der Fall ist, so wie es von der Überzeugung gefordert wird.


Sprachliche Kommunikation würde dies tun!


Davidsons Begründung: Um die Rede eines anderen zu verstehen, muss ich fähig sein, an dieselben Dinge zu denken, an die er denkt => z. B. muss ich – „denken“ hier als eine propositionale Einstellung verstanden – eben auch solche propositionalen Einstellungen haben bzw. zum Ausdruck bringen können, wie etwa „der Hund oder die Katze da glaubt, es sei etwas Essbares oben auf dem Baum“ (ich beziehe mich auf eine inhaltlich bestimmte, objektive Welt). Will ein anderer verstehen, was ich denke, muss er auch fähig sein, dasselbe wie ich zu denken, dass heißt sich auf dieselbe inhaltlich bestimmte objektive Welt zu beziehen.


„[...] Davidson: um uneins zu sein, müssen wir über die gleichen Propositionen verfügen, über den gleichen Gegenstandsbereich und den gleichen Wahrheitsbegriff“


„Kommunikation hängt davon ab, dass jeder Kommunikationspartner den Begriff von einer geteilten Welt – von einer intersubjektiven Welt – hat und korrekterweise auch denkt, dass der andere ihn ebenfalls hat => Aber der Begriff von einer intersubjektiven Welt ist der Begriff von einer objektiven Welt – von einer Welt, von der jeder Kommunikationspartner Überzeugungen haben kann“


Und hier kommt jetzt die Bedeutung von Sprache ins Spiel: für Davidson hängt nämlich das Verfügen über den Begriff von intersubjektiver Wahrheit von Kommunikation im vollen sprachlichen Sinn ab


Was Davidson, wie er eingesteht, nicht zu zeigen vermag, ist, dass der einzige Weg, auf dem man zum Kontrast Überzeugung – Wahrheit gelangen kann, darüber führt, den Begriff von intersubjektiver Wahrheit zu haben. Aber wie sollte man sonst zum Begriff intersubjektiver Wahrheit kommen können?


S. 131


Davidson: Triangulation


Schlussfolgerung, so Davidson: „Rationalität ist ein soziales Merkmal. Nur Kommunikationspartner haben sie“




























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